Über

Über Wenn wir heute vom 4 Records Festival sprechen, meinen wir nicht einfach eine weitere Veranstaltung im ohnehin schon vollen Festivalkalender. Die Idee ist an einem dieser Abende entstanden, an denen man viel zu lange über Musik redet, zu tief in Playlists eintaucht und irgendwann feststellt, dass all diese Gespräche, Tracks und Geschichten eigentlich einen eigenen Ort verdient hätten. Ein Ort, an dem Clubkultur, Livemusik, Vinyl-Liebe und Stadtleben nicht nebeneinander existieren, sondern ineinander greifen. Genau aus diesem Gefühl heraus ist das 4 Records Festival entstanden. Am Anfang stand nur der Wunsch, ein Wochenende zu schaffen, das sich nicht wie „Massenabfertigung“ anfühlt, sondern wie ein sehr bewusst geplanter Trip durch verschiedene musikalische Welten. Wir wollten ein Festival, auf dem man den roten Faden im Programm spürt, auf dem man Artists tatsächlich entdecken kann, statt ständig zwischen fünf Bühnen hin- und herzurennen und am Ende doch das meiste zu verpassen. Weniger Overload, mehr Qualität, mehr Zeit für die Dinge, die im Gedächtnis bleiben. Genauso wichtig wie die Musik war uns von Anfang an die Community dahinter. Viele von uns kommen aus kleinen Läden, Clubs, Kollektiven, Agenturen oder Projekten, die sich über die Jahre gegenseitig unterstützt haben. Man trifft sich auf Gigs, arbeitet an Releases, hilft bei Veranstaltungen aus oder steht einfach zusammen an der Bar. Aus diesem Netzwerk ist nach und nach das Team gewachsen, das heute hinter dem 4 Records Festival steht. Keine anonyme Struktur, sondern Leute, die sich wirklich kennen und etwas Eigenes aufbauen wollen. Der Name „4 Records“ war anfangs ein Arbeitstitel und ist dann geblieben, weil er genau das trifft, was wir tun. „For Records“ im Sinne von: für Tonträger, für Momente, für Geschichten, die man festhalten will. Gleichzeitig „Four Records“ als Hinweis auf die vier Bereiche, auf denen unser Konzept basiert: Sound, Community, City und Collectors. Sound steht für die Musik selbst – von elektronischen Nächten bis zu Livebands, die man sonst eher in Clubs oder kleinen Venues sehen würde. Community meint all die Menschen, die das Ganze tragen: Artists, Crews, Helferinnen, Gäste. City ist die Stadt, die uns beherbergt und deren Orte wir bewusst einbinden. Collectors sind all jene, die Musik anfassen, sammeln, sortieren und ihr zuhause ein eigenes kleines Archiv widmen. Uns war früh klar, dass wir kein Festival auf der grünen Wiese wollen, das mit der Umgebung nichts zu tun hat. Deswegen spielen Stadt und lokale Szene eine so große Rolle. Wir denken in Wegen, Fußminuten und tatsächlichen Orten, an denen Menschen das ganze Jahr über unterwegs sind. Clubs, Bars, Höfe, Off-Spaces, kleine Bühnen – all das sind mögliche Bestandteile des Festivals. Wir versuchen, bestehende Strukturen zu stärken, statt eine künstliche Parallelwelt für ein Wochenende aufzubauen, die danach wieder verschwindet, als wäre nichts gewesen. Viele der Entscheidungen, die wir treffen, entstehen aus eigenen Erfahrungen als Besucher. Wir wissen, wie es ist, bei Regen im Matsch zu stehen, sich bei zehn Metern Schlange zu fragen, ob man den nächsten Act verpasst, oder abends völlig überfordert auf das Timetable zu schauen. Deshalb legen wir so viel Wert auf Orientierung, nachvollziehbare Abläufe und ein Programm, das nicht nur auf dem Plakat gut aussieht, sondern sich vor Ort stimmig anfühlt. Man soll sich frei bewegen können, ohne das Gefühl, permanent etwas zu verpassen. Ein weiterer Punkt, der uns antreibt, ist der Wunsch, physische Musik nicht einfach als Retro-Element abzuhaken. Vinyl, Tapes und andere Formate sind für viele von uns ein ganz eigener Zugang zu Musik. Eine Platte in die Hand zu nehmen, das Cover zu betrachten, die Credits zu lesen und bewusst eine Seite aufzulegen, ist eine andere Begegnung mit einem Album als ein flüchtiger Klick. Darum gehört eine Record-Fair so selbstverständlich zu unserem Festival wie Bühnen und Soundsysteme. Für uns ist das keine Beigabe, sondern ein Kernstück. Gleichzeitig sind wir realistisch genug zu wissen, dass Festivalmachen kein romantisches Hobby ist, sondern harte Arbeit mit vielen Parametern. Sicherheit, Logistik, Gagen, Technik, Infrastruktur, Zeitpläne – all das sind Dinge, die in keinem Aftermovie auftauchen, aber im Hintergrund permanent mitlaufen. Im Team gibt es Menschen, die seit Jahren Veranstaltungen planen, andere kommen eher aus der kreativen oder inhaltlichen Ecke. Was uns verbindet, ist der Anspruch, eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, auf die wir selbst Lust hätten, wenn wir nicht gerade daran arbeiten würden. Wir beobachten bewusst, wie sich die Festivallandschaft verändert. Große Marken, immer größere Bühnen, immer komplexere Produktionen – das hat alles seine Berechtigung, aber wir sehen daneben Platz für Formate, die näher dran sind. „Näher dran“ heißt für uns: kürzere Wege, niedrigere Schwellen, mehr direkte Begegnungen. Man soll Artists auf dem Gelände treffen können, mit Label-Leuten auf der Record-Fair sprechen, sich nach einem Panel mit den Sprechern austauschen können. Das Festival ist nicht als geschlossene Show konzipiert, sondern als offener Raum. Natürlich spielt auch das drumherum eine Rolle. Essen, Unterkünfte, Tagesstruktur, kleine Zufälle – all das prägt, wie sich ein Festival anfühlt. Wir tauschen uns regelmäßig mit Leuten aus, die Streetfood-Konzepte entwickeln, mit Menschen, die in Hotels oder Ferienwohnungen arbeiten, oder mit denjenigen, die sich beruflich mit Einrichtung, Alltag, Mode und Lifestyle beschäftigen. Es sind oft genau diese Einflüsse von außen, die dazu beitragen, dass ein Wochenende rund wird und nicht nur aus einer Aneinanderreihung von Sets besteht. Wenn man sich anschaut, wer uns auf diesem Weg begleitet, versteht man schnell, dass 4 Records kein isoliertes Projekt ist. Rund um das Festival gibt es Menschen und Marken, die sich mit Themen beschäftigen, die in einem Festivaljahr genauso wichtig werden wie die Frage, welcher Act wann spielt. Es geht darum, wie wir essen, wie wir unterwegs sind, wie wir wohnen, wie wir uns kleiden und wie wir unseren Alltag gestalten. Ein Festivalwochenende ist immer auch ein kleines Experimentierfeld für all diese Bereiche. Uns ist wichtig, dass die Zusammenarbeit mit Partnern nicht nur auf Logos auf einer Wand oder Website hinausläuft. Im Idealfall entstehen echte Überschneidungen: Inhalte, die zu uns passen, Formate, die wir gemeinsam entwickeln, Angebote, die den Gästen vor Ort wirklich etwas bringen. Das kann vom durchdachten Essenskonzept über Hinweise zu Unterkünften und Anreise bis zu Inspirationen für das eigene Zuhause oder den eigenen Stil reichen. Festivals sind schon lange nicht mehr nur musikalische Veranstaltungen, sie sind auch Treffpunkte für Lebensstile. Im Inneren bleiben wir dabei bewusst bodenständig. Im Team wird viel diskutiert, ausprobiert und im Zweifel auch verworfen. Nicht jede Idee schafft es auf das Gelände, nicht jedes Konzept in den Ablaufplan. Wir nehmen Feedback ernst, sowohl von den Menschen, die mit uns arbeiten, als auch von denen, die als Gäste kommen. Wer einmal mitbekommen hat, wie ein kleines Detail eine komplette Stimmung kippen oder retten kann, weiß, warum wir bei vielen Dingen so penibel sind. Vielleicht ist das am Ende der wichtigste Punkt: Wir machen dieses Festival, weil wir es selbst brauchen. Als Kontrast zu Formaten, in denen man sich verliert. Als Ort, an dem man Musik wieder bewusst erlebt. Als Treffpunkt für Menschen, die sich sonst nur flüchtig auf Social Media sehen. Und als Wochenende, an das man sich erinnert, ohne genau sagen zu können, ob es das eine Konzert, das Gespräch im Morgengrauen oder der Moment beim Durchblättern einer Kiste voller Platten war, der alles ausgelöst hat. Wenn du dich fragst, was dich beim 4 Records Festival erwartet, lässt sich das in einem Satz schwer fassen. Vielleicht trifft es am ehesten dieses Bild: Du kommst an einem Freitag an, die Stadt klingt schon ein bisschen anders als sonst, du gehst von Ort zu Ort, triffst Menschen, hörst Musik, von der du nicht wusstest, dass du sie suchst, und nimmst am Ende etwas mit, das sich nicht so leicht in Worte fassen lässt. Genau das ist die Art von Erinnerung, für die wir das alles tun.